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Akute und chronische Krankheiten sind völlig unterschiedliche Formen des Krankseins. Die Kenntnis dieser Unterschiede ist eine Grundvoraussetzung für das adäquate ärztliche Vorgehen und Verhalten. Der chronisch Leidende wird in erster Linie betreut, dem akut Kranken schnell geholfen. Diese Formen bedingen daher auch unterschiedliche Formen der Gesprächsführung und Behandlungsstrategie. Eine akute Krankheit ist durch Fremdvertrauen und Fremdverantwortung gekennzeichnet, welche der Patient dem Arzt überträgt. Beim chronisch Kranken dagegen ist Selbstvertrauen und Selbstverantwortung gefragt. Der Patient weist meist ein ungeheueres Informationsbedürfnis auf, was dazu führt, dass er sich im Verlaufe der Krankheit zum "Experten" entwickelt. Oft findet man dafür die ironische Bezeichnung wie "Diplom-Asthmatiker" o. ä. Dieses "Expertentum" sollte vom Arzt akzeptiert werden und kann sogar ein positives Element der Betreuung darstellen. Der chronisch Kranke ist in hohem Maße empfindlich gegenüber Phrasen, Halbwahrheiten oder trügerischen Hoffnungen. Oft ist dieses eine Mitursache für das berühmte "Ärztehopping". Wichtig ist, dass der Patient keine zu hohen Erwartungen an den Arzt stellt und ihn als Wunderheiler betrachtet, sondern eher als Partner im Krankheitsprozess. Dann können Sie anhand von konkreten Beobachtungen im Verlauf der Zeit feststellen, ob sie eine gute Arztwahl getroffen haben. Die Aufgaben und die Rolle des Arztes bei der Betreuung chronisch Kranker, könnten sein: |
Wenn er diese Aufgaben alleine nicht erfüllen kann, so hilft es dem Patienten schon viel, wenn er Adressen oder Informationen an die Hand bekommt, wo er noch zusätzliche Hilfe erfahren könnte, neue Lebensstrategien erlernen und finden kann (eine Reha-Behandlung oder Kur, erlernen von Entspannungstechniken, Selbsthilfegruppen, psychologische Betreuung usw.)
Viele Betroffene berichten immer wieder, dass sie lange im Wartezimmer des Arztes sitzen und dann in einem nur kurzen Gespräch mit dem Wortlaut "damit müssen sie sich arrangieren" oder "da kann ich ihnen nun auch nicht mehr helfen" abgespeist werden. Sie fühlen sich dadurch quasi alleingelassen und hilflos in ihrer - auch für sie neuen - Situation.
Wie bereits unter dem Link "Psychosoziale Folgen" erwähnt, kann sich eine psychologische Betreuung (evtl. in Form von einer Verhaltenstherapie) für den Betroffenen durchaus als sinnvoll und nutzbringend erweisen. Die ersten 5 Gespräche können direkt mit der Krankenkasse abgerechnet werden. Für weitere Sitzungen ist dann ein sogenannter "Konsilliarbericht" notwendig, der vom behandelnden Arzt und dem Psychotherapeuten bei der Krankenkasse eingereicht wird.
Auch eine Kur- bzw. Reha-Behandlung kann dem Patienten auf seinem Weg, mit dem Schwindel leben zu lernen, weiterhelfen.
WICHTIG zu wissen:
In ganz Deutschland gibt es bisher lediglich zwei Reha-Kliniken, die von sich behaupten, ein spezielles Konzept für Menière-Patienten anzubieten.
Oftmals werden die Betroffenen von dem zuständigen Leistungsträger in eine Klinik überwiesen (sofern sie eine Rehabilitation bewilligt bekommen!), die lediglich eine spezielle Abteilung für Tinnitus vorweist und Menière einfach nur miteinbezieht.
Beides sind aber im Grunde zwei unterschiedliche Beschwerdebilder, die somit auch
individueller Betreuung und Therapie bedürfen !
Tinnitus-Kliniken gibt es - im Verhältnis zu speziellen Menière-Angeboten
- in Deutschland relativ flächendeckend.
Sieht man die Anzahl der gesamten Rehakliniken und die Therapievielfalt im Gesundheitsbereich auf ganz Deutschland bezogen, so kann man Menière wohl mit als "Randgruppe" bezeichnen.
Grund ist auch hier sicherlich, die im Verhältnis zu anderen chronischen Krankheiten stehende,
äusserst geringe Zahl der Betroffenen.
Eine Klinik mit einem Therapieangebot für Tinnitus, kann sicherlich im Punkto Stressabbau, Erlernen von Entspannungstechniken, m. E. auch im psychologischen Bereich, einem Menière-Patienten etwas helfen und nützen; dennoch fühlt sich der Betroffene aber so sicherlich nicht voll betreut und das Konzept auf seine Beschwerden ausgelegt und angepasst.
Eventuelle Unkenntnis bei Ärzten oder Therapeuten über sein Leiden, macht ihm zusätzlich zu schaffen, da er dieses oftmals bereits aus privaten Bereichen und von zu Hause her kennt.
Er nimmt als Mitläufer das Ein oder Andere für sich aus den Therapieangeboten mit und versucht das Beste aus dem Aufenthalt zu machen. Einen M. Menière wird man kaum "wegrehabilitieren" können. Das dürfte jedem klar sein, der sich mit der Materie auseinandergesetzt hat.
Die allgemeine Verfassung des Betroffenen könnte aber gestärkt und verbessert, eine bewusstere und gesündere Lebenseinstellung vermittelt werden. Dadurch wird der Umgang mit der Krankheit
m. E. besser erlernt und erste Denkanstösse werden gegeben.
Mehr Kliniken mit s p e z i e l l e n Therapiekonzepten für uns Menière-Betroffene wären daher sehr wünschenswert !
Mit diesem Wissen sollte man beginnen, um keine nicht erfüllbaren Hoffnungen zu wecken. Unerfüllt bringen auch sie neue Enttäuschung und Missstimmungen und das gewünschte Ergebnis bleibt aus. Gute Kliniken verfahren nach diesem Grundsatz.
Die Kehrseite dieses Aspektes sind die verschärften Gesetze und eine oft nervenaufreibende Zeit, bis - wenn überhaupt- eine Reha bewilligt wird.
Persönliche und versicherungstechnische Voraussetzungen sowie zuständige Kostenträger einer Rehabilitation, finden sie unter dem Link:
Arbeit & Soziales
Die Arbeit der Selbsthilfe setzt dort an, wo die Bedürfnisse des Betroffenen nicht mehr von dem professionellen Versorgungssytem gedeckt werden können.
Hauptaufgabe ist es, eine Basis zu schaffen, wo der Betroffene sich mit seiner gesamten Krankengeschichte völlig verstanden fühlt. Nur Mitbetroffene können wirklich nachempfinden, was derjenige durchleben und erleben muss, welche Ängste und Gedanken ihn Tag und Nacht beschäftigen.
Vorteil ist zudem, dass der Betroffene hier ganz geballt auf Erfahrungsberichte mit Therapien (medizinisch oder alternativ), wichtige Informationen, Adressen von Ansprechpartnern und persönlich erstellten "Lebenstrategien" von Mitbetroffenen stösst.
Angehörige nutzten den Austausch innerhalb einer Gruppe mit anderen Angehörigen gleichermaßen, da auch sie im alltäglich Leben kaum einen Ansprechpartner für diese Problematik finden. Sie leiden mal mehr, mal weniger unter der Krankheit und Lebensumstellung des Partners und damit verbundenen Änderungen im gemeinsamen Zusammenleben. (Finanzielle Einbußen, Kinder, Freunde, Liebesleben etc.)
Oftmals werden auch Referenten oder Therapeuten (medizinisch oder alternativ) eingeladen, um eventuell neue Denkanreize und Möglichkeiten zu liefern, die das Leben wieder erträglicher erscheinen lassen könnten und helfen, sich mit dem Schwindel besser zu arrangieren.
Zudem gibt es viele Menière-Betroffene, die im Verlauf ihrer Jahre mit der Krankheit auch Positives berichten können. Sie haben ihr Leben umgestellt, leben nun viel bewusster, haben gelernt ihren Alltag zu organisieren, sehen viele Dinge unter einem ganz anderen Gesichtspunkt, stellen anderen Wertigkeiten und Wichtigkeiten im Leben auf, leben wieder mehr für sich als für andere, beachten auch wieder die kleinen Dinge im Leben in ihrer ganzen positiven Wirkung und Erscheinung. Oft sagen sie sogar, dass sie diese Aspekte, die sie heute so schätzen, wohl gar nicht ohne die Krankheit erkannt hätten.
Solche Äußerungen kommen den frisch Erkrankten anfangs etwas fremd vor, dennoch geben sie aber ein Stück an Hoffnung und Zuversicht zurück!
Adressen finden Sie unter dem Link: Kontakte.
Falls Sie links keine Navigationsleiste sehen: www.sh-meniere.de